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Brussels Governance Monitor
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Verzögerte klassische Koalition

Hohe Machbarkeit
Kürzlich überprüft · 8. Feb. 2026

Mechanismus

Die Brüsseler politischen Parteien einigen sich schließlich auf ein Koalitionsabkommen mit einem umfassenden Regierungsprogramm. Ein vom Parlament ernannter Formateur verhandelt die Ministerressorts und den programmatischen Inhalt.

Wer kann dies auslösen

Die im Parlament vertretenen Brüsseler politischen Parteien

Zeitrahmen

Einige Monate

Präzedenzfall

Föderales Belgien: nach 541 Tagen ohne Regierung, Bildung der Regierung Di Rupo (2010-2011). Danach 494 Tage vor der Regierung De Croo (2019-2020). (Belgien, 2011)

Rechtsgrundlage

Sondergesetz zur Reform der Institutionen vom 12. Januar 1989 — keine gesetzliche Frist für die Regierungsbildung vorgeschrieben

Risiken

  • Langwierige Verhandlungen ohne Erfolgsgarantie
  • Ein unzureichender Kompromiss, der den angestauten Notlagen nicht gerecht wird
  • Politikverdrossenheit der Wählerinnen und Wähler angesichts eines bereits auf Bundesebene erlebten Szenarios

Wie es funktioniert

Auf Brüsseler Regionalebene folgt die Regierungsbildung einem anderen Verfahren als auf Bundesebene. Es gibt keine königliche Intervention: Das Brüsseler Parlament verwaltet die Bildung selbst. In der Regel ergreift eine Parteivorsitzende oder eine politische Persönlichkeit die Initiative, um die Koalitionsmöglichkeiten zu sondieren.

Der typische Ablauf:

  1. Sondierungsphase — informelle Kontakte zwischen Parteivorsitzenden, um mögliche Konstellationen zu ermitteln
  2. Ernennung eines Formateurs — das Parlament beauftragt eine Person mit der Aushandlung eines Abkommens
  3. Programmatische Verhandlung — die Parteien verhandeln über den Inhalt des Regierungsprogramms
  4. Ressortverteilung — wer erhält welches Ministerium
  5. Vertrauensabstimmung — das Parlament spricht der neuen Regierung das Vertrauen aus

Warum dies das wahrscheinlichste Szenario ist

Historisch gesehen bildet Belgien immer eine klassische Regierung, auch wenn es Zeit braucht. Auf Bundesebene:

  • 2010-2011: 541 Tage -> Regierung Di Rupo (Kompromiss über die Aufteilung von BHV)
  • 2019-2020: 494 Tage -> Regierung De Croo (ausgelöst durch die COVID-Krise)

Auf Brüsseler Regionalebene verliefen die Regierungsbildungen stets schneller als auf Bundesebene, da die Zahl der Parteien begrenzter ist und die institutionellen (gemeinschaftsbezogenen) Herausforderungen weniger schwer wiegen.

Stand der Dinge (Februar 2026)

Die Region befindet sich an ihrem 610. Tag ohne Regierung (Februar 2026) und hat damit den föderalen Rekord von 541 Tagen (2010–2011) übertroffen. Sieben politische Persönlichkeiten sind nacheinander in der Rolle als Informator oder Formateur gescheitert.

Am 20. Januar 2026 hat der letzte Formateur seinen Rücktritt beim Präsidenten des Brüsseler Parlaments eingereicht und damit die 5. Formationsrunde beendet. Ein zentraler niederländischsprachiger Partner hatte sich in letzter Minute geweigert, sich zu verpflichten.

Am 1. Februar 2026 hat das Bürgerkollektiv respect.brussels die Vertreter aller 11 Brüsseler Parteien an einen Tisch gebracht — ein Novum in der Krise. Aus diesem Treffen ging das Prinzip der „Entminer" hervor: ein Duo von Persönlichkeiten, das beauftragt ist, die Hindernisse für die Regierungsbildung auszuräumen. Vetos, die die Formation seit Monaten blockierten, wurden aufgehoben, und Parteien, die nicht mehr miteinander sprachen, trafen sich am selben Tisch.

Die strukturellen Hindernisse

Ohne auf die Einzelheiten der Parteistandpunkte einzugehen (das ist nicht die Aufgabe des BGM), sind die in der Presse und in akademischen Analysen identifizierten strukturellen Hindernisse:

  • Die politische Zersplitterung nach den Wahlen von 2024
  • Die Meinungsverschiedenheiten über die haushaltspolitischen Prioritäten (Schulden von 15,65 Milliarden EUR)
  • Die institutionellen Fragen im Zusammenhang mit der Brüsseler Regierungsführung
  • Die Notwendigkeit einer doppelten Sprachmehrheit (FR + NL) für die Vertrauensabstimmung

Rechtsgrundlage

Das Sondergesetz zur Reform der Institutionen vom 12. Januar 1989, das die Brüsseler Institutionen regelt, setzt keine Frist für die Regierungsbildung. Es gibt keinen automatischen Mechanismus, der die Bildung erzwingen würde (im Gegensatz zu einigen Ländern, in denen nach einer bestimmten Frist automatisch Neuwahlen ausgeschrieben werden).

Die geschäftsführende Regierung bleibt so lange im Amt, wie es erforderlich ist — das heißt bis eine neue Regierung vereidigt wird.

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